Ihr neues Amt tritt Christine Hohmann-Dennhardt erst zum Jahreswechsel an. Am 1. Januar 2016 geht die Daimler-Führungskraft als Vorstand für Integrität und Recht zu VW nach Wolfsburg. Für gehöriges Aufsehen in der Automobilbranche sorgt die gebürtige Leipzigerin allerdings schon jetzt.
Zum einen wird mit Hohmann-Dennhardt erstmals eine Frau in das Topgremium des niedersächsischen Zwölf-Marken-Konglomerats einziehen. Noch ist Vorstandsarbeit auf Konzernebene bei VW reine Männersache. Zum anderen ist das absehbare Aufgabenspektrum der Managerin am Mittellandkanal so breit wie delikat – die Affäre um frisierte Abgaswerte von Dieselmotoren hat das Unternehmen in seinen Grundfesten erschüttert. Genau hier muss Hohmann-Dennhardt unverzüglich ansetzen: Neben schonungsloser Aufklärung nach innen und außen hat sie bei VW vor allem Strukturen zu schaffen, die eine Wiederholung vergleichbarer Missstände verlässlich auszuschließen helfen.
Es war der neue VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch persönlich, der sich bei Manfred Bischoff, seinem Daimler-Pendant, dafür einsetzte, die promovierte Juristin aus ihrem bis 2017 laufenden Vertrag zu entlassen und ihr so einen Wechsel zu ermöglichen. "Die Beste oder nichts", mag Pötsch gedacht haben – frei nach dem Werbespruch der Schwaben.
Und wer sollte besser geeignet sein für die Rechts-Ressorts von VW? Hohmann-Dennhardt war unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Ministerin der Justiz im Bundesland Hessen und Richterin am Bundesverfassungsgericht. Bei Daimler umfasst ihr Vorstandsbereich mit der Compliance-Organisation und dem Corporate-Responsibility-Management just jene Tätigkeitsfelder, die bei VW gerade wichtiger denn je sind.
Bei der Eingewöhnung in der neuen Umgebung kann ein alter Bekannter helfen: Andreas Renschler, im VW-Vorstand verantwortlich für Nutzfahrzeuge, stand selbst lange in Daimler-Diensten. Auch mit Bernd Osterloh dürfte sich die Wahl-Wolfsburgerin gut verstehen. Der Betriebsratschef von VW strebt eine neue Führungskultur an. Und wie seine designierte Kollegin besitzt Osterloh ein SPD-Parteibuch.