Hamburg. Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller schwört seine Führungskräfte in der Abgasaffäre auf Mut und Zusammenhalt ein. „Wir dürfen und wir werden uns nicht wegducken“, mahnte der Nachfolger von Martin Winterkorn auf einer internen Krisenkonferenz. „Schockstarre wäre der denkbar schlechteste Zustand, um diese Krise zu bewältigen“, betonte der frühere Porsche-Chef. Das Management müsse allen Angehörigen der VW-Familie „jetzt den Rücken stärken“. Müllers eindringlicher Appell: „Vor allem müssen wir jetzt zeigen, dass wir handlungsfähig sind.“
Appell an Schulterschluss für Markentreue
Bei der Aufklärung jener bis zu elf Millionen Kunden, deren Fahrzeuge von Manipulationen betroffen sein könnten, fällt den Vertriebspartnern eine Schlüsselrolle zu. Man werde „alles in unserer Macht stehende unternehmen, um Sie bestmöglich zu informieren und zu unterstützen, um Schaden von unseren Kunden sowie von Ihnen als unsere Handels- und Servicepartner abzuwenden“, kündigte Thomas Zahn, Leiter Vertrieb und Marketing Deutschland VW Pkw, in einem vertraulichen Brief an, der der Automobilwoche vorliegt. „Bitte lassen Sie uns gemeinsam das Vertrauen unserer Kunden wiedergewinnen!“
Pkw-Produzent kalmiert Verkaufspartner
Zur Beruhigung der Händlerschaft hat VW zudem jüngst die Verkaufsziele für 2016 auf dem wichtigen Heimatmarkt bestätigt. Derzeit laufen die sogenannten Chefkonferenzen, in denen Hersteller und Handel gemeinsam die Vorgaben für das kommende Jahr erörtern. „Die VW-Absatzplanung bleibt vom Abgasskandal einstweilen unberührt“, berichtet ein VW-Partner. „Allerdings weist man in Wolfsburg darauf hin, dass aufgrund der außergewöhnlichen Situation im Laufe der Zeit noch Anpassungen erforderlich sein könnten.“ Mit Blick auf eine mögliche Kaufzurückhaltung beim Diesel komme „den Händlern zugute, dass VW zwar die Volumenziele bis auf die einzelnen Modellreihen herunterbricht, dabei aber keinen Mix der Antriebsarten vorschreibt“. „Ich erwarte Offenheit und Ehrlichkeit von Ihnen“, schärfte Müller seinen Managern ein. „Und, dass Sie mir Ihre Meinung sagen, für Ihre Überzeugungen einstehen".