Wolfsburg. Bei VW halten die Vorbereitungen zur Präsentation der Konzernbilanz das Management und dessen Aufseher stärker unter Dampf als je zuvor. Neben dem Zahlenwerk will Vorstandschef Matthias Müller am 28. April in Wolfsburg einen Zwischenbericht zur Aufarbeitung des Abgasskandals vorlegen. Die US-Kanzlei Jones Day untersucht für VW unter anderem, wer die technischen Manipulationen veranlasst hat und welche Führungskräfte davon wann Kenntnis erhielten.
"Mit Blick auf diesen extrem wichtigen Termin steigt die Spannung in allen Ressorts und Gremien", sagte ein Mitglied des VW-Aufsichtsrats der Automobilwoche. "Eine große Schwierigkeit ist, dass immer wieder neue Forderungen gegen uns erhoben werden, deren Folgen nicht gleich verlässlich abzuschätzen sind."
So hat jüngst auch die US-Handelsbehörde FTC Klage gegen VW erhoben. Ihr zentraler Vorwurf: Mit seiner Werbung für "Clean Diesel" habe der Autobauer den Käufern falsche Tatsachen vorgetäuscht. Nun drohen den Wolfsburgern jenseits des Atlantiks weitere Entschädigungsleistungen in Milliardenhöhe.
Erschwerend kommt in den USA hinzu, dass VW vor Kurzem den zuständigen Richter um Fristaufschub bitten musste. Nach der Bewilligung hat VW bis zum 21. April Zeit, um sich mit dem US-Umweltamt EPA auf eine technische Umrüstung der betroffenen Dieselfahrzeuge zu verständigen.
Für massive Unruhe im Vorfeld der Bilanzvorlage sorgen überdies Gerüchte, VW könnte wegen der durch "Dieselgate" stark angespannten Finanzlage in diesem Jahr die Dividende komplett streichen. "Wie immer der Beschluss dazu ausfällt", so der VW-Rat, "muss VW den Anteilseignern zeigen, dass man es ernst meint mit dem allgemeinen Sparkurs." Die VW-Hauptversammlung findet am 22. Juni in Hannover statt.