BERLIN. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) ist eine unabhängige Organisation, die unter anderem alternative Antriebsarten erforscht. Die Automobilwoche traf ICCT-Geschäftsführer Peter Mock am Rande des jüngsten E-Autogipfels in Berlin.
Herr Mock, auf der Regierungskonferenz Elektromobilität hat Verkehrsminister Dobrindt gefordert, strombetriebenen Autos „mehr Emotionalität“ zu verschaffen. Wie kann das gelingen?
E-Mobile sind schon heute sehr emotional und bereiten großen Fahrspaß. Gerade Plug-in-Hybride bieten oft enorme Leistungswerte. Nur wissen dies noch viel zu wenige Menschen. Wichtig wäre daher, eine breite Masse potenzieller E-Autofahrer zu erreichen und Stromer testen zu lassen. Dafür bietet sich das Carsharing an, da hier die vergleichsweise hohen Anschaffungskostenclever verteilt werden.
Wirtschaftsminister Gabriel hat gewarnt, Deutschland könnte wie einst beim Transrapid auch bei der E-Mobilität die Chancen einer Zukunftstechnologie aus der Hand geben.
Am Standort Deutschland sind die Hersteller und Zulieferer bei den alternativen Antriebsarten technisch schon sehr gut aufgestellt. Die Modellpaletten sind breit. Wir müssen aber endlich mehr E-Fahrzeuge auf die Straße bringen. Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht vor allem bei den hiesigen Fördermaßnahmen.
Hier hat Kanzlerin Merkel Abhilfe versprochen. Zu welchen Instrumenten raten Sie?
Wir sehen drei vielversprechende Ansätze. Zum einen sollten die CO2-Standards weiter verschärft werden. Das 95-Gramm-Ziel reicht nicht aus, um E-Autos mehr Schub zu verleihen. Zweitens plädieren wir für eine gesetzlich fixierte Quote von Zero Emission Vehicles, wie sie der US-Bundesstaat Kalifornien mit Erfolg eingeführt hat. Und drittens sollten -finanzielle Förderungen erfolgen, etwa im Wege der geforderten Sonderabschreibung für Dienstwagen mit einem Elektroantrieb.
Was gehört nach Auffassung Ihres Instituts neben umweltfreundlicheren Autos noch zum Konzept der Clean Transportation?
Wir begreifen E-Autos in der Tat als einen Faktor unter mehreren bei intelligenter Mobilität. Innovative Stadtplanung etwa zählt auch zwingend dazu. Denken Sie nur an die vielfältigen Möglichkeiten, die ein konsequent modernisierter öffentlicher Personennahverkehr im Verbund mit E-Autos noch zu bieten hätte.
Ist die „Agenda 2020“ noch zu schaffen, also das Ziel, in fünf Jahren eine Million Elektro-autos auf deutschen Straßen rollen zu lassen?
Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist das völlig illusorisch. Wir regen deshalb an, bei derE-Mobilität von den Erfahrungen anderer Länder zu lernen. Norwegen, die Niederlande, Kalifornien, in jüngster Zeit auch Großbritannien haben interessante Ansätze gewählt. Sie wären zwar nicht immer eins zu eins auf Deutschland zu übertragen, doch eine kluge Verbindung der besten Details dieser Konzepte könnte stromgetriebenen Fahrzeugen auf dem größten Automarkt Europas fraglos entscheidend weiterhelfen. Den Blick über die Landesgrenzen sollten Wirtschaft und Politik nicht scheuen. Mit Insellösungen, gar mit Protektionismus, wäre niemandem geholfen.
Da schwingt allerhand Skepsis mit, oder?
Es ist noch viel zu tun. Schweren SUVs einen Stromstecker zu verpassen, damit ist es nicht getan. Und auf langen Strecken ergeben reine Bat-teriefahrzeuge keinen Sinn. Die Industrie muss prüfen, wie Zielkunden ein E-Auto wirklich nut-zen würden. Diese Diskussion ist überfällig.