Sie führt seit 2022 jene Sparte von Daimler Truck, auf die in der Zeitenwende besonders geschaut wird: Franziska Cusumano.
Frau Cusumano, steht Ihr Telefon wegen Anfragen nach Rüstungsgütern überhaupt noch mal still?
Wir können auf jeden Fall sagen, dass es eine vermehrte Nachfrage nach unseren militärischen Nutzfahrzeugen für logistische Anwendungen gibt – sowohl aus Europa als auch aus anderen Partnerländern. Wir bekommen aber auch sehr viele Anfragen für zivile Fahrzeuge, die wir ja auch im Portfolio haben. Das freut uns auch.
Welches Potenzial sehen Sie für den Defence-Bereich von Daimler Truck?
Das Defence-Geschäft ist definitiv ein Wachstumsfeld für Daimler Truck. Zunächst orientiert sich das Potenzial an der Marktgröße und richtet sich an den Budgets der zukünftigen Beschaffungen aus. Neben dem Vertrieb von militärischen Nutzfahrzeugen für Logistik und Unterstützungsaufgaben ist der Ausbau unseres Servicenetzes ein wichtiges Kernthema.
Können Sie das erläutern?
Nachdem der erste Lkw verkauft ist, müssen wir über einen langen Zeitraum von 20, oder auch 30 Jahren für den Service sorgen. Dass wir dabei auf das gesamte Netzwerk von Mercedes-Benz Trucks zurückgreifen können, verschafft uns im Wettbewerb eine gute Ausgangsposition.
Wie groß ist bei Ihnen der Defence-Bereich?
In der Vergangenheit entfiel rund ein Prozent des Umsatzes von Daimler Truck auf diesen Bereich.
Wie unterscheidet sich Ihr Defence- vom normalen Truck-Geschäft?
Im Gegensatz zum Geschäft mit privatwirtschaftlichen Flottenbetreibern beschaffen im Defence-Bereich in der Regel Regierungen, Ministerien oder Behörden. Das heißt, wir nehmen an Ausschreibungen teil. Es gibt Budgets, Haushalte und der Kunde ist die öffentliche Hand. Die Beschaffungsprozesse laufen hier sehr unterschiedlich und vieles muss im Direktvertrieb geschehen. Auch die Verträge und Anforderungen unterscheiden sich vom privatwirtschaftlichen Geschäft.
Worin genau?
Beispielsweise gibt es im Defence-Bereich sehr genaue Export-Kontrollvorgaben seitens der Bundesregierung, an die wir uns strikt halten. Weil es aber auch viele Gemeinsamkeiten mit unseren zivilen Bereichen gibt, bündeln wir bei mir in der Organisation die Kundensegmente Feuerwehr und Katastrophenschutz, Kommunale Aufgaben, Entsorgung sowie Defence.
Wie sieht Ihr Portfolio aus und über welche weiteren Fahrzeugvarianten denken Sie nach?
Derzeit sind wir mit unserem Portfolio sehr gut und breit aufgestellt. Wir konzentrieren uns sowohl auf unsere klassischen Sonderfahrzeuge, beispielsweise den hochgeländegängigen Unimog, der schon seit Jahrzehnten an die Bundeswehr und auch in vielen anderen Ländern verkauft wird.
Dann gibt es die ebenfalls speziell für den Off-Road-Einsatz konzipierte Zetros-Baureihe. Des Weiteren gehören zu unserem Portfolio auch Fahrzeuge aus der Actros- und Arocs-Baureihe beispielsweise für den Schwerlasttransport. Aktuell beschäftigen wir uns damit, unser Angebot an Defence-Fahrzeugen weiter in die Tiefe zu entwickeln.